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Grußwort des Kongresspräsidenten

Frank Schneider
Kongresspräsident
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde

Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege,
sehr geehrte Besucherinnen und Besucher des DGPPN Kongresses 2009,

mit dem vorliegenden Programm darf ich Sie sehr herzlich zu dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde einladen. Psychische Erkrankungen sind biopsychosoziale Phänomene. Als solche werden sie von den besonderen Gegebenheiten der Lebenssituation geprägt, in der sich jeder kranke Mensch befindet. So ist beispielsweise die Depression eines Adoleszenten biologisch, psychisch und sozial sehr unterschiedlich von der eines Menschen in der Mitte seines Lebens, wenn berufliche und private Verantwortung eine zentrale Rolle spielt. Im fortgeschrittenen Alter bestimmen wiederum andere Randbedingungen unsere Gesundheit und unsere Krankheiten. Auf diese spezifischen Faktoren wollten wir hinweisen, als wir für den diesjährigen Kongress das Leitthema gewählt haben:

Psychische Erkrankungen in der Lebensspanne.

Zwei weitere Besonderheiten werden den DGPPN Kongress 2009 auszeichnen: Zum einen werden Sie überrascht sein über den gestiegenen Anteil englischsprachiger Veranstaltungen. Nach ausführlichen Beratungen im Vorstand sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der DGPPN Kongress schwerpunktmäßig weiterhin ein deutscher Kongress ist und bleiben soll. Andererseits wollen wir nicht außer acht lassen, dass wir im Zentrum von Europa leben und engstens mit unseren Nachbarn verbunden sind. Als Aachener im Dreiländereck zu Belgien und den Niederlanden ist mir diese Tatsache täglich präsent. Das Fachgebiet Psychiatrie und Psychotherapie ist heute immer in einem europäischen Zusammenhang zu sehen und zu verstehen. Deshalb wird es in diesem Jahr erstmals einen englischen Konferenzteil geben, der ungefähr 20 Prozent der Veranstaltungen umfassen wird. Dadurch lassen wir Ihnen alle Optionen offen: Sie können sich auf die deutschen Beiträge konzentrieren oder bei dem englischen Track an der Europäisierung teilhaben. Für die wichtigsten Veranstaltungen werden jeweils simultane Übersetzungen in Deutsch und Englisch verfügbar sein.

Als zweite Besonderheit werden Ihnen beim Gang über den Kongress mehr Studierende begegnen als in früheren Jahren. Diese Entwicklung haben wir durch einen Wettbewerb gefördert. „Nur die schnellsten Medizinstudenten gewinnen: 500 Stipendien ausgeschrieben“ ermöglicht für deutsche Medizinstudenten eine kostenlose Kongressteilnahme. Gleichzeitig haben wir uns bemüht, einen Teil des Programms speziell auf diese jungen Kollegen abzustimmen. Hier finden sich neben fachlich-psychiatrischen Veranstaltungen auch Symposien zur Karriereplanung und zur Zukunft unseres Faches. Als Ergänzung hierzu vergeben wir in diesem Jahr erstmals mit dem Hans-Heimann-Preis einen Promotionspreis für die besten Dissertationen in dem Fachgebiet Psychiatrie und Psychotherapie. Hans Heimann, früherer Ordinarius in Tübingen und Past President der DGPPN, hat sich mit Leidenschaft für die Angelegenheiten des Nachwuchses in unserem Fach eingesetzt.

Vor dem Hintergrund der drei zentralen Trends bei dem diesjährigen Kongress – Lebensspanne, englischer Track und ärztlicher Nachwuchs – sollen die folgenden weiteren Aspekte während des Kongresses vertieft werden:

  • Prävention psychischer Erkrankungen
  • Psychosoziale und biologische Einflüsse
  • Psychische Erkrankung am Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter
  • Psychotherapie und Pharmakotherapie
  • Bedarfsgerechte Versorgung
  • Qualitätssicherung
  • Honorierung ärztlicher Tätigkeiten

Eröffnen werden wir den DGPPN Kongress 2009 mit einer musikalischen Darbietung des vielfach preisgekrönten Aachener Kammerchors Carmina Mundi, der sich seit seiner Gründung 1983 einer stetig wachsenden Anhängerschaft erfreut. Zum Chor zählen ungefähr 40 Sängerinnen und Sänger. Im Repertoire konzentriert das Ensemble sich auf vorwiegend geistliche und weltliche A-capella-Chormusik verschiedener Länder, Kulturen und Epochen. Konzertreisen und die Teilnahme an internationalen Chorfestivals führten Carmina Mundi nach Argentinien, Albanien, Belgien, Estland, Frankreich, die Niederlande und Österreich. Am ersten Kongresstag wird sich Prof. Dr. Thomas Elbert, Professor für Klinische Psychologie und Verhaltensneurologie an der Universität Konstanz, im Rahmen des Eröffnungsvortrags mit der Frage beschäftigen, wie lebensbedrohende Erfahrungen unseren Geist und unser Gehirn evolutionär verändert haben. Er berichtet auf dem Hintergrund seiner Erfahrungen in Krisenregionen dieser Welt über existentielle psychische Krisen und deren Bewältigungsmöglichkeiten. Der rote Faden des mir besonders wichtigen Tracks Psychotherapie, der hier beginnt, zieht sich durch den ganzen Kongress. Prof. Dr. Martin Bohus aus der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim wird ihn mit seinem Plenarvortrag: Perspektiven der Psychotherapie am Samstag noch einmal aufnehmen.
Das Thema der psychischen Erkrankungen in der Lebensspanne ist nicht denkbar ohne zwei Nachbardisziplinen unseres Faches intensiv einzubeziehen: die Kinder- und Jugendpsychiatrie auf der einen und die Gerontopsychiatrie auf der anderen Seite. Frau Professor Judy Rapoport, Leiterin der Abteilung Child Psychiatry am National Institute of Mental Health, wird mit ihrem Plenarvortrag das Leitthema des diesjährigen Kongresses unmittelbar aufgreifen und uns verdeutlichen, dass wir psychische Erkrankungen von Erwachsenen nur verstehen können, wenn wir die Vorläufer dieser Störungen vom Beginn der Hirnentwicklung an begreifen.
Der Schwerpunkt des dritten Kongresstags beschäftigt sich mit dem anderen Ende der Lebensspanne, dem vor dem Hintergrund des demographischen Wandels eine immer größer werdende Bedeutung zukommt. Die Gründung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn sehen wir als ein kaum zu überschätzendes positives Zeichen für die neuropsychiatrische Forschung in Deutschland. Diesem Ereignis wollen wir durch einen „DZNE-Tag“ am Freitag mit mehreren Veranstaltungen Rechnung tragen. Wir freuen uns besonders, dass wir den Gründungsdirektor des DZNE, Prof. Dr.
Pierluigi Nicotera
, für einen Plenarvortrag gewinnen konnten. Er beschäftigt sich wissenschaftlich unter anderem mit der Apoptose, dem programmierten Zelltod, der bei neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimerschen Demenz eine zentrale Rolle spielt. Daneben wird es zwei DZNE-Symposien geben, die sich mit Aspekten der Grundlagenforschung und mit psychosozialen und Versorgungsfragen demenzieller Erkrankungen beschäftigen werden.

Zwei Präsidentensymposien darf ich Ihnen persönlich empfehlen. Im einen wird es um aktuelle Entwicklungen in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Forschung gehen: Durch welche biologischen Entwicklungen wird unser Fach in den kommenden Jahren und Jahrzehnten am stärksten geprägt und verändert werden? Im zweiten Symposium werden wir die Ethik, und damit das Menschenbild und die eigene Verantwortlichkeit unseres klinischen und wissenschaftlichen Handelns diskutieren.

Wichtig ist uns in diesem Jahr auch ein erstmals durchgeführter Informationstag für Patienten und Angehörige mit Vorträgen zu den wichtigsten psychischen Krankheitsbildern. Auch die DGPPN-Akademie und der Pflegekongress, der Schülerkongress, der Lehrerkongress und das Trialogforum gehören traditionell zum DGPPN Kongress, darauf sind wir stolz.
Auch in diesem Jahr erwarten Sie in diesen Bereichen umfassende Angebote.

Wie in den Vorjahren wurde das Programm durch das wissenschaftliche Programmkomitee in enger Zusammenarbeit mit den Fachreferaten der DGPPN sowie den kooperierenden Fachverbänden und Organisationen im In- und Ausland gestaltet, denen ich hiermit für Ihre Mitwirkung herzlich danke. Unser Dank gilt auch den Mitarbeitern des Unternehmens CPO HANSER SERVICE, unserem kompetenten Partner bei der Gestaltung des Kongresses.

Ein besonderes Bonbon zum Schluss, was auch mit unserem Nachwuchs zu tun hat: zum ersten Mal werden wir in diesem Jahr kostenfrei einen DGPPN Kongresskindergarten anbieten. Wir hoffen, dass Eltern dieser Service das Kommen erleichtern wird und Ihrem Nachwuchs einige gut betreute und unterhaltsame Stunden bieten wird.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es auch in diesem Jahr gelungen ist, ein interessantes und vielfältiges Programm zusammenzustellen, welches Sie nicht verpassen sollten. Wir alle laden Sie herzlich ein, dieses intensiv zu nutzen. Ich würde mich sehr freuen, Sie zum DGPPN Kongress vom 25. bis 28. November dieses Jahres in Berlin begrüßen zu dürfen.

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. rer. soc. Frank Schneider
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde
Kongresspräsident

Grusswort des Präsidenten der ÖGPP



Michael Musalek
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP)

Psychische Krankheiten sind keine starren Gebilde, die nur einfach deshalb weiter bestehen, weil sie einmal entstanden sind; vielmehr handelt es sich dabei um Prozesse deren Bestand durch das Einwirken mannigfacher krankheitserhaltender Faktoren begründet wird. Neben körperlichen Gegebenheiten und der Eigendynamik des jeweiligen Krankheitsgeschehens sind es vor allem auch Einflüsse aus dem psychosozialen Bereich, die die Plastizität psychischer Erkrankungen mitbedingen. Dabei wird dem jeweiligen Lebensalter und den damit verbundenen Hauptthemen und Lebensschwerpunkten eine besondere Rolle zuteil. Eine nicht ausschließlich an Krankheitskonstrukten sondern am leidenden Menschen sich orientierende Behandlung wird daher die Lebensspanne, in der sich die psychisch Kranken befinden und die sich damit in Zusammenhang entwickelnden Problemstellungen, ganz wesentlich mitzuberücksichtigen haben. Darüber hinaus ist es heute allbekannt, dass in den mittleren Lebensabschnitten hochwirksame psychopharmakologische Maßnahmen in Art und Dosierung nicht unmittelbar auf Menschen in anderen Lebensaltern, wie z.B. der Adoleszenz bzw. höheren Altersklassen umgelegt werden können. Nicht zuletzt sind es aber auch die in verschiedenen Lebensperioden unterschiedlichen Ressourcen des Einzelnen, die Erkrankungsverlauf und Behandlungserfolg ganz wesentlich mitbestimmen. Eine Psychiatrie, die wieder den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Diagnostik und Therapie stellt, und die sich nicht auf eine herkömmliche Indikationsmedizin mit Hauptfokus Krankheitskonstrukt reduziert, wird demnach vorrangig auch den Lebensabschnitt, in der sich der Patient gerade befindet und die damit verbundenen Problemstellungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten, in ihre Behandlungsplanung mitzuberücksichtigen haben. Eine solche „Human-based Pschiatry“ wird sich auch nicht ausschließlich auf evidenz-basierte medizinische Daten beziehen können – so unverzichtbar diese als Grundstein rationaler Therapiegestaltung bleiben – sondern wird auch über die Medizin und Psychiatrie im engeren Sinn hinausreichendes Wissen in ihre Behandlungskunst einschließen müssen. Die daraus resultierende Komplexität psychiatrischen Handelns wird den Schwerpunkt des nächsten Kongresses der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) unter dem Titel „Die Kunst der Behandlung in der Psychiatrie“ ausmachen, der vom 22.04.2010 bis 24.04.2010 in Gmunden stattfinden wird und zu dem ich sie schon jetzt herzlich einlade. Es ist mir an dieser Stelle ein besonderes Bedürfnis den Verantwortlichen der DGPPN für die sich in den letzten Jahren so ausgezeichnet gestaltende Zusammenarbeit zu danken, vor allem aber auch dafür, dass der diesjährige DGPPN-Kongress, dem so wichtigen Themenbereich „Psychische Erkrankungen in der Lebensspanne“ gewidmet wurde. Damit wird nicht zuletzt auch die Weiterentwicklung einer wieder auf den ganzen Menschen zentrierten Psychiatrie, also einer Psychiatrie, die über Krankheitszustände und Erkrankungsbilder hinausreicht und in der der Mensch wieder zum Maß aller Dinge wird, in besonderer Weise katalysiert und promotiert.

Mit meinen besten Wünschen für fruchtbare Fachdiskussionen und freudvolle Begegnungen beim diesjährigen DGPPN-Kongress in Berlin

Herzlichst Ihr

Michael Musalek
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie

Grußwort des Präsidenten der SGPP



Hans Kurt
Präsident, Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie SGPP

Sehr geehrte Kongressbesucherinnen und Kongressbesucher
Grüezi, grüess Ech liebe Kolleginnen und Kollegen

Epidemiologische Daten aus der Schweiz zeigen, dass die Gruppe der Jugendlichen und junge Erwachsenen zum einen und die der alten Menschen zum andern psychiatrisch-psychotherapeutisch schlecht versorgt sind. Bei jungen kranken Menschen besteht die Schwierigkeit darin, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie für Menschen über 18 Jahren nicht mehr zuständig ist, und die Erwachsenenpsychiatrie sich für die jungen Erwachsenen noch nicht zuständig fühlt. Dieser Umstand zeigt sich sowohl bei den niedergelassenen KollegInnen wie auch in der institutionellen Versorgung, wo es z.B. an Betten für junge Erwachsene mit ihren spezifischen Bedürfnissen mangelt. Was die älteren psychisch kranken Menschen angeht, werden diese im ambulanten Bereich fast ausschliesslich von Grundversorgern betreut, und es besteht ein hoher Nachholbedarf an psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungen. Erschreckend hoch ist z.B. die wachsende die Zahl der Suizide älterer Menschen.

Ein anderer Bereich, der uns in der Schweiz grosse Sorgen bereitet, ist der mangelnde Nachwuchs an psychiatrisch-psychotherapeutischen FachärztInnen, ein Thema, dem im Kongress ja auch entsprechend Gewicht gegeben werden soll. Auch hier handelt sich teils um ein Problem der Lebensspanne. Die Schweiz weist europaweit die höchste PsychiaterInnendichte auf, aber als Facharztgruppe hat die Psychiatrie das höchste mittlere Lebensalter. In den psychiatrischen Institutionen fehlt es an AssistenzärztInnen, der Betrieb kann nur noch dank ausländischen KollegInnen aufrechterhalten werden. Viele Aufgaben, aber eben bei weitem nicht alle können von nichtärztlichen Fachleuten wie PsychologInnen übernommen werden. Wieso ist der hochinteressante Beruf der PsychiaterIn und PsychotherapeutIn nicht attraktiv, und welche Zusammenhänge und Gründe können wir gemeinsam finden, besteht doch die Nachwuchsproblematik europaweit.

Und was die Lebensspanne unserer Fachgesellschaften angeht, sind wir in der Schweiz stolz darüber, dass die Fachgesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie SGKJPP und Fachgesellschaft der Erwachsenenpsychiatrie und Psychotherapie SGPP in den letzten Jahren immer enger  zusammenarbeiten. Nachdem sich die Kinderpsychiatrie vor etwas mehr als 50 Jahren mit einem eigenen Facharzttitel von der Erwachsenenpsychiatrie getrennt hat, arbeiten wir nun im Rahmen eines starken Dachverbandes zusammen. Gemeinsam, aber jede Fachgesellschaft mit einer eigenen Identität, versuchen wir uns für psychische kranken Kinder bis hin zu psychisch kranken alten Menschen, ihren Angehörigen und Familien einzusetzen, sei es nun in der Wissenschaft, der Therapie oder in der Gesundheitspolitik. Gerade in der Öffentlichkeitsarbeit, in gesundheitspolitischen Fragen, aber auch bei Problemen, die unseren Berufsstand angehen, können wir mit vereinten Kräften mehr erreichen, sind schlagkräftiger geworden und werden von den andern Partnern im Gesundheitswesen entsprechend ernster genommen.

Ich freue mich auf einen spannenden Kongress in Berlin, auf viele Begegnungen mit KollegInnen aus Deutschland, Österreich, aber auch anderen europäischen Ländern, und natürlich auch auf Kontakte zwischen KollegInnen aller Altersgruppen, zwischen jung und alt, eine einzigartige Gelegenheit voneinander lernen zu können.

Dr. med. Hans Kurt
Präsident, Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie SGPP

Grußwort der Berufsverbände BVDP und BVDN



Christa Roth-Sackenheim
Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP)



Frank Bergmann
Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN)

Liebe und sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen,

auch in diesem Jahr laden Sie die Berufsverbände Deutscher Nervenärzte BVDN und Deutscher Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie BVDP herzlichst zum alljährlichen wissenschaftlichen Highlight unserer Fachgruppe, dem DGPPN-Kongress in Berlin ein.

Dieses Jahr ist gesundheitspolitisch ein ganz besonderes Jahr. Wenn Sie das Einladungsprogramm bekommen, ist der Startschuss für den Bundestagswahlkampf bereits gefallen und die Gesundheitsversorgung wird neben der Wirtschaftskrise DAS bestimmende Wahlkampfthema sein. Wenn der Kongress stattfindet, wird die Wahlentscheidung getroffen sein. Es werden dann die ersten Weichen in der Gesundheitspolitik gestellt sein, ob es in Richtung Abschaffung der ambulanten Facharztversorgung, Schaffung eines Primärarztsystems, Fokussierung auf Selektivverträge mit Aushöhlung der ambulanten wohnortnahen Basisversorgung im Kollektivvertragswesen gehen wird.

DGPPN und Berufsverbände sprechen sich gemeinsam gegen einen Rückfall der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen in die Versorgungssituation der 50er- und 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts aus!

Wir werden in der berufspolitischen Arbeit als Berufsverbände und als Fachgesellschaft weiterhin gemeinsam die Frage stellen: Was ist der Gesellschaft die seelische Gesundheit wert? Was ist von den hoch gesteckten Zielen der Psychiatrie-Enquete 1975 über 30 Jahre später noch übrig geblieben? Sind die Ziele der Enthospitalisierung nicht bereits konterkariert, wenn die sinkenden Krankenhaus-Verweildauern mit einer erhöhten Wiederaufnahmerate beantwortet werden?  Ist die ambulante wohnortnahe Versorgung ausreichend und zielgerichtet angesichts der hohen gesundheitsökonomischen Bedeutung psychischer Störungen und vor allem: ist sie  langfristig gesichert?
Welche Antworten können wir als Nervenärzte und als Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie einer Gesellschaft geben, in der psychische Erkrankungen der häufigste Grund für Frühberentungen sind (bei Frauen UND Männern) und die den stärksten Anstieg der AU-Diagnosen bei jungen Erwerbstätigen ausmachen?
Menschen mit psychischen Störungen haben weiterhin Anspruch auf eine krankheitsstadienspezifische und individuell entsprechend ihrer Biographie, ihrem psychosozialen Kontext und dem medizinischen und psychotherapeutischen State-of-the-art beste medizinische Versorgung, genauso wie Menschen mit „rein somatischen“ Erkrankungen. Wissensdefizite und Vorurteile bestimmen immer noch die Rahmenbedingungen für die Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen in unserem Gesundheitssystem.

Der Berufsverband Deutscher Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie BVDP feiert außerdem in diesem Jahr seinen 10-jährigen Geburtstag und möchte Sie schon heute sehr herzlich zu der im Rahmen des Kongresses stattfindenden Geburtstagsfeier einladen!

Deshalb: Kommen Sie zahlreich nach Berlin, um an der faszinierenden wissenschaftlichen Entwicklung unseres medizinischen Faches, der Psychiatrie und Psychotherapie teilzuhaben. Es macht Freude und schafft für uns Ärztinnen und Ärzte eine hohe Sinngebung und Berufszufriedenheit, Psychiater und Psychotherapeut zu sein oder zu werden!

Herzliche Grüße

Dr. Christa Roth-Sackenheim
Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP)

Dr. Frank Bergmann
Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN)

Grußwort des Leiters der DGPPN-Akdemie für Fort- und Weiterbildung



Fritz Hohagen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,


In den letzten Jahren wurde das Fort- und Weiterbildungsprogramm der DGPPN-Akademie ständig erweitert, um der wachsenden Nachfrage nach Workshops und Kursen gerecht zu werden. Auch in diesem Jahr haben wir uns bemüht, in 72 Workshops und 21 State-of-the-Art-Symposien einen Überblick über die relevantesten Fort- und Weiterbildungsinhalte unseres Faches zu bieten. Viele Kolleginnen und Kollegen nutzen das Programmangebot, um einen Großteil ihrer CME-Punkte, die sie jedes Jahr nachweisen müssen, zu erwerben. Aber ebenso viele Weiterbildungsassistentinnen und –assistenten nutzen die Gelegenheit, auf dem DGPPN-Kongress komplementär zu ihren lokalen Weiterbildungsmöglichkeiten theoretische Kenntnisse und praktische Handlungsfertigkeiten in Workshops und State-of-the-Art-Symposien zu erwerben. Wie im Vorjahr nehmen wieder aktuelle Psychotherapiemethoden wie Schematherapie, Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) und andere störungsorientierte Psychotherapieverfahren einen breiten Raum ein. Aber auch Diagnostik, forensische Inhalte, sozialpsychiatrische Themen, transkulturelle Psychiatrie, neurowissenschaftliche Aspekte und pharmakotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten werden entsprechend der Breite unseres Faches angeboten. Die Beliebtheit des Akademieprogrammes spiegelt sich nicht nur in der guten Evaluation durch die Teilnehmer und der regen Nachfrage, sondern auch in der Bereitschaft anerkannter Experten wieder, die sich jedes Jahr bereit erklären, entsprechende Fort- und Weiterbildungsangebote zu übernehmen. Erstmals wird ein Teil der State-of-the-Art-Symposien und Workshops in englischer Sprache angeboten, um auch ausländischen Gästen die Möglichkeit zu geben, am Akademieprogramm teilzunehmen. Damit folgt die DGPPN-Akademie dem Bestreben des Gesamtkongresses, auch nicht deutschsprachige Teilnehmer anzuziehen und die Stellung des DGPPN-Kongresses als größten europäischen Kongress für Psychiatrie und Psychotherapie auszubauen.

Ich wünsche allen Teilnehmern und allen Dozenten einen intensiven Gedankenaustausch, anregende Diskussionen und viel Spaß beim Lehren und Lernen.


Fritz Hohagen
Leiter der Fort- und Weiterbildungsakademie